Sammlung (Archiv)

 

Bettina Göschl

Sehnsüchte eines Steins

 

In Fels und Berg bin ich gebor’n,
bleib immer fest in Farb’ und Form,
lieg hart und schwer am Wegesrand.
Werd‘ immer sein und nie vergehen,
als müder Stein stets anzusehen.
Als solcher bin ich hier bekannt.
Doch so mancher Traum kommt mir dann in den Sinn,
und dann möcht ich nicht mehr sein so wie ich bin.

Refrain:
Denn manchmal wünschte ich, ich könnte fliegen,
ganz leicht beschwingt im Wind mich wiegen,
von oben mal die Welt ansehen.
Und ich wünschte, ich könnt fliegen.
Und ich wünschte, ich könnt fliegen.

Steine gibt es viel im Wald,
manche sind schon wirklich alt,
keiner gleicht dem andern hier.
Bei Wind und Wetter stets hier drauß
sehn wir ganz verschieden aus,
können viele Jahre überstehen.
Doch so mancher Traum kommt mir dann in den Sinn,
und dann möcht ich nicht mehr sein so wie ich bin.

Refrain:
Denn manchmal wünschte ich, ich könnte fliegen…

Mal sind wir rau und manchmal glatt,
wieder schimmernd bläulich matt,
leuchtend glänzend wunderschön.
Mal schroff, mal spitz und auch mal rund,
farbenprächtig kunterbunt
im Licht der Sonne anzusehen.
Doch so mancher Traum kommt mir dann in den Sinn,
und dann möcht ich nicht mehr sein so wie ich bin.

Refrain:
Denn manchmal wünschte ich, ich könnte fliegen…

© Bettina Göschl, Norden

 

 

 

Georg Bydlinski

E-Mail-Liebe

 

Wie ein Besen ohne Borsten,
wie ein Kater ohne Fell,
wie ein Fahrrad ohne Klingel,
wie ein Hund ohne Gebell,
wie ein Regen ohne Tropfen,
wie ein Fußball ohne Luft,
wie ein Schwimmtier ohne Wasser,
wie der Flieder ohne Duft,
wie ein wegradierter Strich
 
sind die Stunden ohne dich.
 
                            Dein A.
 
 
Den radierten Strich
mal’ ruhig wieder hin,
weil ich ab morgen 16 Uhr
wieder bei dir bin!
 
                        ☺ Deine B. ☼
 

© Georg Bydlinski, Mödling b. Wien

 

 

 

Inge Meyer-Dietrich

Eines Tages  

In meinen Kopf flog ein Gedicht,
das kann ich nicht vergessen.
Es ist tief in mein Herz gerutscht
und hat sich festgesessen.
 
Da sitzt es nun und reimt sich sehr
und wünscht sich neue Zeilen.
Doch reimen, das geht ziemlich schwer,
ich kann mich nicht beeilen.
 
Nun sitz ich fest und brauche Zeit
zum Denken und zum Dichten.
Und manchmal denke ich zu weit,
dann werden es Geschichten.

© Inge Meyer-Dietrich, Gelsenkirchen

 

 

 

Wolfgang Bittner

Morgenlied   

Die Amsel saß
auf einem Dach
und flötete
die Leute wach,
die schimpften,
bis sich alles regte
und sich die Amsel
wieder schlafen legte.

Fliegen lernen

Die Mücken
übten Rückenfliegen,
die Übung
machten sie im Liegen.

© Wolfgang Bittner, Göttingen

 

 

Sommer 2013, Bas Böttcher

Schnappschüsse    

(zum Andenken an H.A.)

Nimm diesen Fotoapparat
Nimm diese Kamera
Schau wie der Spiegel sein Reflex-Spiel treibt
mit Brennweite, Blende und zweiunddreißig Gigabyte

Für die vorübergehende Schönheit, die anhaltende Zeit
sie passiert dir, sie passiert dich
im Vorbeigehen ein Blitzen, das bleibt
So erscheint sie dir und so erscheint sie allen
im Begriff zu strahlen, gleich ihr verfallen

Finde Motive, mach Fotos
Drücke den Auslöser
für die Fortfolge von hell aufbrennenden
keine Sekunde dauernden
jede Hundertstel beginnenden und endenden Momenten

Knips das
Sonne-steht-im-Gegenlichtadrette-
Silhouette-stichtaus-
Massen-in-der-Bahn-zur
Morgen-Frühschicht-hervor-Jetzt

Knips das
Matt-im-Schatten-schlafen-legen
satt-und-schlapp-die-Trägheit-pflegen
rasten-und-die-Lider-zufalln
lassen-unterm-Baum-Jetzt

Knips
Beim-Blick-aus-Flugzeugfensterglänzt-
der-Flügel-Fliegerschattenauf-
den-Wolken-und-nkreisrunder-
Regenbogen-drum-Jetzt

Fokussier die Fortfolge von hell aufbrennenden
keine Sekunde dauernden
jede Hundertstel beginnenden und endenden Momenten

Und so viel du auch knipst
es bleiben Pixel gebannt auf Chips

Und die vorübergehende Schönheit, die anhaltende Zeit
sie passiert dir, sie passiert dich
im Vorbeigehen ein Blitzen, das bleibt
So erscheint sie dir und so erscheint sie allen
im Begriff zu strahlen, gleich ihr verfallen

©  Bas Böttcher, Berlin
www.basboettcher.de/schnappschuesse.mp3
aus: Bas Böttcher - Vorübergehende Schönheit (2013 Voland & Quist)

 

 

 

April 2013, Eva Korhammer

Ein Reim...    

(aus"Artenvielfalt""

Ein REIM sah sich allein gestellt
inmitten einer Prosawelt.
Wie weit er die Sensoren schickte:
nichts, was mit ihm harmonisch tickte.
Die Partnerschaft schien aussichtslos,
was ihn frustrierte und verdross.

Da warf er seinen Wohlklang fort,
kasteite sich zum Prosa-Wort
und fand in ungereimten Massen
Gelegenheit, sich anzupassen.
Von Stund‘ an war sein Dasein schön -
denn PROSA findet immer wen! 

© Eva Korhammer, Hannover

 

 

Februar 2013, Herbert Somplatzki

Meisenknödel

In Meisenkreisen spricht man kaum vom Reisen.
Viel mehr vom Vogelfutter das in Bäumen hängt,
An das im Winter jede Meise denkt
Wenn sich der Schnee auf Dach und Hecke senkt,
Dann sollte man den Futter-Spender preisen!
So zwitschert man in manchen Meisenkreisen.

© Herbert Somplatzki, Schmallenberg

 

 

Januar 2013, Gunter Preuß

Wer uns teuer ist

Wer sich drückt
und tief bückt
vor der Macht,
auf den gebt acht!
Wer immer kneift,
nie mit zugreift,
sich stets raushält,
hat nichts bestellt.
Wer aber liebt,
sich ganz hingibt,
wer aufrecht bleibt,
wenn Sturm ihn treibt,
wer brennt wie Feuer,
der ist uns teuer.

© Gunter Preuß, Leipzig

 

 

 

Dezember 2012, Anne Steinwart

An Dezembertagen            

An Dezembertagen
kann es sein
dass es abends
freundlich klopft
dass Besuch kommt
unverhofft

dass dir jemand
Himmelstorte backt
und die dicksten
Nüsse knackt
dass er dir
ein Lied mitbringt
und von seinen
Träumen singt

An Dezembertagen
kann es sein
dass Menschen
plötzlich Flügel tragen
und nach
Herzenswünschen fragen
Riesen werden
sanft und klein
laden alle Zwerge ein
Dezember
müsst es immer sein. 

© Anne Steinwart, Steinheim/Westf.

 

 

 

Oktober 2012, Georg Bydlinski

Feste feiern             

Willst du wissen, wann

man Feste feiern kann?

 

Wenn der Schnupfen vorbei ist,

wenn es März oder Mai ist,

wenn das Wurstbrot gut schmeckt,

wenn man Käfer entdeckt,

wenn das Radio tobt,

wenn der Lehrer dich lobt,

wenn die Drachenschnur hält,

wenn die Schule entfällt,

auch am Geburtstag von Katze und Hund -

und aus jedem anderen Grund!

© Georg Bydlinski, Mödling bei Wien

 

 

 

August 2012, Christa Zeuch

            Dreimeterbrett

        Ich brauche einen Fingerhut
        bis oben hin gefüllt  mit Mut.
  Vielleicht ein kleines bisschen mehr,
 die Angst macht meine Glieder schwer.
  Mein Herz, das poltert bup bup bum - -
      ich trau mich nicht, ich kehre um!

              Da schubst mich wer,
                 das ist nicht nett,
                       ich fliege
                          vom
                          Drei-
                           me-
                           ter-
                            br.


                       platsch!

© Christa Zeuch, Windeby-Kochendorf

 

 

 

Juli 2012, Wolfram Eicke

Der Streuner

Ich streune gern von Ort zu Ort
Und streune auch von Wort zu Wort.
Von allen Dingen in meinem Leben
Hat mir das Streunen am meisten gegeben.
Leise und schweigend Wälder durchschweifen,
vieles bestaunen, wenig begreifen ...
Ich streune durch Weiten, steig über Zäune,
streife durch Träume, und streune und streune.

Und fällt das "N" im "streune" fort,
streue ich gerne Wort um Wort.

© Wolfram Eicke, Scharbeutz / OT Haffkrug

 

 

Juni 2012, Inge Meyer-Dietrich

Komm

Ich hab ein Land in meinem Kopf,
da sind Geschichten drin.
Und immer, wenn ich einsam bin,
dann flücht ich mich dahin.
 
Ich hab ein Land in meinem Kopf
mit Farben, bunt und schön.
Da kann ich, wenn ich traurig bin,
mir Bilder malen gehn.
 
Ich hab ein Land in meinem Kopf
mit Tönen, laut und leis.
Da spiel ich mir ein kleines Lied,
wenn ich nicht weiter weiß.
 
Das Land in meinem Kopf ist groß.
Da passt du auch noch rein.
Wir wären traurig oder froh,
doch nicht mehr so allein.

©Inge Meyer-Dietrich, Gelsenkirchen

 

 

Mai 2012, Regina Schwarz

Frühlingsgefühl

Auf einmal ist es da,
so ein Gefühl
von Bäumeausreißen
und Konfettischmeißen.

So ein Gefühl,
schreien zu müssen,
wie verrückt,
und du weißt,
dass dir alles glückt.

© Regina Schwarz, Langenfeld

 

 

 

April 2012, Karin Gündisch

Das Geschenk

Wenn das Christkind
kommt, weiß es,
was es bringen soll.
Jetzt aber hab ich
große Sorgen,
weil ich morgen
Geburtstag hab
und nicht weiß,
was ich mir
wünschen soll.
Mein Zimmer ist
schon voll.

Kann nicht schlafen
vor lauter Sorgen.
Was schenken sie
mir morgen?
Ich dreh' mich
hin und her im Bett.
Da fällt's mir ein!
Ich wünsch' mir
zum Geburtstag
ein Paket:
Nicht zu groß
und nicht zu klein
und es soll
was drinnen sein!

© Karin Gündisch, Bad Krozingen

 

 

 

März 2012, Georg Bydlinski

Bericht vom Kaiser

Es lebte einst ein Kaiser,
viel feiner als wir leben.
Der war vom Schreien heiser,
nur vom Befehle-Geben.

Sein Hals begann zu schmerzen,
die Stimme klang so leis,
da half kein Schal aus Nerzen.
Das ist des Reichtums Preis.

Verstimmt saß auf dem Throne
mit fest geschlossnem Mund
und halb verrutschter Krone
der arme reiche Hund.

© Georg Bydlinski, Mödling bei Wien

 

 

Februar 2012, Werner Färber

Der Bücherwurm

Im Gegensatz zu dem der Maden,
ist stets willkommen sein Besuch.
Denn ohne diesem je zu schaden,
frisst er sich pfleglich durch ein Buch.

Ungereimtheiten aus der Tierwelt (XXXV)
© Werner Färber, Hamburg

 

 

Januar 2012, Christa Zeuch

Wollmaus

Komm, wir spielen Wollmaus schnappen,
sagt der Mopp zum Aufwischlappen.
Keine soll uns mehr entwischen
unter Sofas, Betten, Tischen!

Viel zu rasch sind alle weg,
keine Wollmaus mehr am Fleck.

Doch die Woche drauf, hurra,
sind sie alle wieder da!

© Christa Zeuch, Windeby-Kochendorf

 

 

Dezember 2011, Nicola Huppertz

Schafsweihnacht

Von jeher ist das Weihnachtsfest
für Schafe schon ein Härtetest.
Denn seit im allerersten Jahr
es zuging äußerst sonderbar
und man sie weckt' zur späten Nacht
mit Lobgesang und Engelspracht,
gehören sie mit Schwanz und Ohr
zum weihnachtlichen Art-Decor:

Als Krippenrolle ohne Text
als Keks mit Eierschaum bekleckst
als Christbaumschmuck aus Handarbeit
als Pinnekjøtt (es tut mir leid)
im Bilderbuch, im Fernsehclip
im Bibelvers, im Comicstrip
und nun - gelungen oder nicht -
in diesem Weihnachtsschafsgedicht.

Doch sehr erleichtert seh'n wir hier:
Den Tieren ist es ein Pläsier.
Sie treffen sich ganz ungestresst
zu ihrem eignen Freudenfest,
denn Schafe sind bekanntlich zäh -
MÄH.

© Nicola Huppertz, Hannover

 

 

November 2011, Ursel Scheffler

Vorweihnachtstrubel

Grüner Kranz mit roten Kerzen
Lichterglanz in allen Herzen,
Weihnachtslieder, Plätzchenduft,
Zimt und Sterne in der Luft.
Garten trägt sein Winterkleid,
wer hat noch für Kinder Zeit?

Leute packen, basteln, laufen,
grübeln, suchen, rennen, kaufen,
kochen, backen, braten, waschen,
rätseln, wispern, flüstern, naschen,
schreiben Briefe, Wünsche, Karten,
was sie auch von dir erwarten.

Doch wozu denn hetzen, eilen,
schöner ist es zu verweilen,
und vor allem dran zu denken,
sich ein Päckchen “Zeit” zu schenken.
Und bitte lasst noch etwas Raum
für das Christkind unterm Baum.

© Ursel Scheffler, Hamburg

 

 

Oktober 2011, Bettina Göschl

Einmalig

(Erschienen auf der CD;
“Komm, lass uns mit Zahlen singen”, JUMBO Neue Medien & Verlag, 2011)

Es gibt ganz viele Glitzerfunkelsterne.
Sie schenken nachts am Himmel zartes Licht.
Ein ganz besonderer Stern ist unsere Sonne.
Sie weckt mich morgens oft, wärmt mein Gesicht.
Wie gut, dass es die Sonne gibt, die jeden Tag erhellt.
Unsere Sonne ist einmalig hier in unserer einen Welt.

Es gibt ganz viele Mamas auf der Erde,
zum Beispiel die von Julia und von Finn.
Auch ich hab eine Mama hier zu Hause,
mit einem süßen Grübchen am Kinn.
Wie gut, dass es die Mama gibt, ach wie sie mir gefällt.
Mama ist einmalig mit dem schönsten Kinn der ganzen Welt.

Es gibt ganz viele Papas auf der Erde,
in unserer Straße wohnen, glaub ich, acht.
Doch meiner hat die tollste Knubbelnase.
Drück ich drauf hupt Papa los. Dann wird gelacht.
 Wie gut, dass es den Papa gibt, ach wie er mir gefällt.
Papa ist einmalig mit der lustigsten Nase auf der Welt.

Es gibt ganz viele Opas auf der Erde.
Der Pitt hat einen und die Hanna auch.
Doch mein Opa ist ganz besonders.
Nur er hat so `nen weichen Kugelbauch.
Wie gut, dass es den Opa gibt, sonst würd’ ich ihn vermissen.
Opa ist einmalig und sein Bauch mein Lieblingskuschelkissen.

Es gibt ganz viele Kinder auf der Erde,
ob dick, ob dünn, ob groß oder ganz klein.
Doch meine kleine Zunge ist besonders.
Zieh’ ich am Ohr, dann geht sie raus und rein.
Wie gut, dass es uns alle gibt und eins, das musst du wissen:
Einmalig bist auch du – ich will dich nicht vermissen.

© Bettina Göschl, Norden

 

 

September 2011, Herbert Somplatzki

Wer einen Freund hat

Freundschaft ist nicht rot, nicht blau,
Ist nicht gelb, nicht grün, nicht grau.
Freundschaft, das ist jedem klar,
Ist ganz einfach unsichtbar.

Wer einen Freund hat, der ist nicht allein.
Nicht in der Nacht und nicht im Sonnenschein.
Wer einen Freund hat, der ist doppelt stark,
Bei dir zuhause und im fremden Park!

Freundschaft ist nicht grün, nicht grau,
Ist nicht rot, nicht gelb, nicht blau.
Freundschaft, das ist jedem klar,
Ist ganz einfach wunderbar!

© Herbert Somplatzk, Schmallenberg

 

 

August 2011, Ingo Cesaro

AUSGLEICHSSPORT
( aus: "30 Jahre Amortisation")

auf der Sprintstrecke
schindet er
täglich
zweimal drei Stunden
Bruchteile von Sekunden

um dann abends
vor dem Fernseher
Stunden
zu vergeuden.

© Ingo Cesaro,  Kronach

 

 

Juli 2011, Herbert Günther

( aus: Mein Leben als Fee)

Gute Träume wünsch ich dir
Trotz Regen und trotz Schnee.
Und wenn ich fort bin, denk ich mir:
Du bist meine Fee.

© Herbert Günther, Friedland

 

 

Juni 2011, Irma Krauß

lesezeichen

Um die Ecke schleichen
zwei kleine Lesezeichen
sie haben ungeheuer
viele Abenteuer
in Büchern studiert
noch keines probiert
jetzt wollen sie endlich
hinaus wie verständlich

© Irma Krauß, Buttenwiesen

 

 

Mai 2011, Wolfram Hänel

Trixi liebt Torsten

Trixi liebt Torsten.
Torsten hat Haare wie Borsten,
Ohren wie Henkel,
Hühnerschenkel,
Eckige Knie
Und keine Phantasie.

Torsten mag Specksalat
Und Spiegelei mit Spinat,
Torsten hört Cowboy-Musik
Und hält Jogginghosen für schick,
Torsten ist nicht besonders nett
(Und wird wahrscheinlich mal ziemlich fett),
Torsten liest nur Comics
Und kapiert – gar nix.

Der ganze Torsten
Mit seinen Borsten,
Ohrenhenkeln
Und Hühnerschenkeln
Ist ein einziges Problem.
Aber Trixi liebt ihn trotzdem.
Hat sich voll in ihn verknallt.
Nur Torsten...
Hat’s bis heute nicht geschnallt!

© Wolfram Hänel, Hannover

 

 

April 2011, Ursula Muhr

Die  Fußballweltmeisterschaft  der  Tiere

Voll Würde spricht das Trainer-Schwein:
„Elf gute Freunde sollt ihr sein!"
Die Spieler nicken ganz ergriffen,
da wird das Spiel schon angepfiffen.

Der Stürmer-Löwe hat den Ball,
er läuft und dribbelt genial
und schießt dann auch – wohin? Wohin?
Nach außen links zum Pinguin.

Der schießt zum Pferd und mit Gewieher
macht dieses einen Fallrückzieher.
Eins Null! Die Tiere grunzen, blöken, brüllen –
doch was ist das, um Himmels Willen?

Abseits soll das gewesen sein?
„Schiebung!“, brüllt das Trainer-Schwein.
Der Angriff rollt. Das Schaf gibt ab
zum Esel, der setzt sich in Trab,

doch stolpert er über den Ball –
oh nein, man brachte ihn zu Fall!
Freistoß, nur Meter vor dem Tor,
das kommt dem Torwart brenzlig vor.

„Die Mauer nach links!“, ruft er beleidigt.
„Wir verlieren, wenn ihr so lahm verteidigt!“
Ein Bombenschuss! Ein Bombenschuss!
Natürlich vom Rhinozeros.

Doch leider geht er knapp vorbei,
es folgt schon Eckstoß Nummer drei.
Den tritt mit Wucht der braune Bär,
schräg in die Mitte zum Nashorn her.
 
Ein Kopfball! Ist das nicht ein Wunder?
Doch warum fällt der Ball nicht runter?
Die Tiere sehen es mit Schrecken:
Der Ball blieb auf dem Nashorn stecken.

Die Spieler stehn verwirrt und stumm
um den aufgespießten Ball herum.
Das Nashorn schämt sich. Es hat ganz vergessen,
dass es schon immer ein Horn hat besessen.

„Was soll’s“, spricht schließlich das Trainer-Schwein.
„Der Ball ist kaputt, also gehen wir rein.“
Und so wissen die Tiere bis heute nicht,
wer der Weltmeister wäre in diesem Gedicht.

© Ursula Muhr, München

aus: „Was macht das Mäuschen in der Nacht?“
Verlag Sauerländer 2007

 

 

 

März 2011, Werner Färber
Ungereimtheiten aus der Tierwelt

Der Jaguar

Ein Jagu- und ein Fegruar
eröffneten das neue Jahr.
Und erst im Monat März
bemerkte man den Scherz.

© Werner Färber, Hamburg

 

 

Die Schmeissfliege

Falls ich diese Fliege
irgendwann mal kriege,
soll sie jetzt schon wissen,
dass sie wird geschmissen,
hinaus aus meinem Zimmer
für ewig und auch immer! .

© Werner Färber, Hamburg

 

 

 

Februar 2011, Manfred Schlüter

Klein und Groß

Die Maus liest oft Geschichten
und wächst mit jedem Buch.
Der Riese liest mitnichten
und scheut auch den Versuch.

Nach Jahren ist, weil ich es will,
das Mäuschen riesengroß.
Der Riese lauscht mucksmäuschenstill
auf ihrem Riesenschoß.

© Manfred Schlüter, Hillgroven

 

 

 

Januar 2011, Georg Bydlinski

E-Mail-Liebe

Wie ein Besen ohne Borsten,
wie ein Kater ohne Fell,
wie ein Fahrrad ohne Klingel,
wie ein Hund ohne Gebell,
wie ein Regen ohne Tropfen,
wie ein Fußball ohne Luft,
wie ein Schwimmtier ohne Wasser,
wie der Flieder ohne Duft,
wie ein wegradierter Strich
 
sind die Stunden ohne dich.
                            Dein A.
 
Den radierten Strich
mal’ ruhig wieder hin,
weil ich ab morgen 16 Uhr
wieder bei dir bin!
                        ☺ Deine B. ☼ 

© Georg Bydlinski, Mödling b. Wien

 

 

 

Dezember 2010, Eva Maria Kohl

Wo die Geschichten wohnen

Wo wohnen die Geschichten?
An einem alten Ort.
Du musst drei Meilen reisen
Und bist vor morgen dort.

Sei aber nicht in Eile
Und hör den Winden zu.
Geh über Wolkenfelder
Mach Rast am tiefen See.

Du wanderst mit den Sternen
Und Zauber schnürt den Schuh.
Am Ende taucht aus Träumen
Das Schloss der Märchen auf.

© Eva Maria Kohl, Halle