Sammlung (Archiv)
April 2012, Karin Gündisch
Das Geschenk
Wenn das Christkind
kommt, weiß es,
was es bringen soll.
Jetzt aber hab ich
große Sorgen,
weil ich morgen
Geburtstag hab
und nicht weiß,
was ich mir
wünschen soll.
Mein Zimmer ist
schon voll.
Kann nicht schlafen
vor lauter Sorgen.
Was schenken sie
mir morgen?
Ich dreh' mich
hin und her im Bett.
Da fällt's mir ein!
Ich wünsch' mir
zum Geburtstag
ein Paket:
Nicht zu groß
und nicht zu klein
und es soll
was drinnen sein!
© Karin Gündisch
März 2012, Georg Bydlinski
Bericht vom Kaiser
Es lebte einst ein Kaiser,
viel feiner als wir leben.
Der war vom Schreien heiser,
nur vom Befehle-Geben.
Sein Hals begann zu schmerzen,
die Stimme klang so leis,
da half kein Schal aus Nerzen.
Das ist des Reichtums Preis.
Verstimmt saß auf dem Throne
mit fest geschlossnem Mund
und halb verrutschter Krone
der arme reiche Hund.
© Georg Bydlinski
Februar 2012, Werner Färber
Der Bücherwurm
Im Gegensatz zu dem der Maden,
ist stets willkommen sein Besuch.
Denn ohne diesem je zu schaden,
frisst er sich pfleglich durch ein Buch.
Ungereimtheiten aus der Tierwelt (XXXV)
© Werner Färber
Januar 2012, Christa Zeuch
Wollmaus
Komm, wir spielen Wollmaus schnappen,
sagt der Mopp zum Aufwischlappen.
Keine soll uns mehr entwischen
unter Sofas, Betten, Tischen!
Viel zu rasch sind alle weg,
keine Wollmaus mehr am Fleck.
Doch die Woche drauf, hurra,
sind sie alle wieder da!
© Christa Zeuch
Dezember 2011, Nicola Huppertz
Schafsweihnacht
Von jeher ist das Weihnachtsfest
für Schafe schon ein Härtetest.
Denn seit im allerersten Jahr
es zuging äußerst sonderbar
und man sie weckt' zur späten Nacht
mit Lobgesang und Engelspracht,
gehören sie mit Schwanz und Ohr
zum weihnachtlichen Art-Decor:
Als Krippenrolle ohne Text
als Keks mit Eierschaum bekleckst
als Christbaumschmuck aus Handarbeit
als Pinnekjøtt (es tut mir leid)
im Bilderbuch, im Fernsehclip
im Bibelvers, im Comicstrip
und nun - gelungen oder nicht -
in diesem Weihnachtsschafsgedicht.
Doch sehr erleichtert seh'n wir hier:
Den Tieren ist es ein Pläsier.
Sie treffen sich ganz ungestresst
zu ihrem eignen Freudenfest,
denn Schafe sind bekanntlich zäh -
MÄH.
© Nicola Huppertz
November 2011, Ursel Scheffler
Vorweihnachtstrubel
Grüner Kranz mit roten Kerzen
Lichterglanz in allen Herzen,
Weihnachtslieder, Plätzchenduft,
Zimt und Sterne in der Luft.
Garten trägt sein Winterkleid,
wer hat noch für Kinder Zeit?
Leute packen, basteln, laufen,
grübeln, suchen, rennen, kaufen,
kochen, backen, braten, waschen,
rätseln, wispern, flüstern, naschen,
schreiben Briefe, Wünsche, Karten,
was sie auch von dir erwarten.
Doch wozu denn hetzen, eilen,
schöner ist es zu verweilen,
und vor allem dran zu denken,
sich ein Päckchen “Zeit” zu schenken.
Und bitte lasst noch etwas Raum
für das Christkind unterm Baum.
© Ursel Scheffler
Oktober 2011, Bettina Göschl
Einmalig
(Erschienen auf der CD;
“Komm, lass uns mit Zahlen singen”, JUMBO Neue Medien & Verlag, 2011)
Es gibt ganz viele Glitzerfunkelsterne.
Sie schenken nachts am Himmel zartes Licht.
Ein ganz besonderer Stern ist unsere Sonne.
Sie weckt mich morgens oft, wärmt mein Gesicht.
Wie gut, dass es die Sonne gibt, die jeden Tag erhellt.
Unsere Sonne ist einmalig hier in unserer einen Welt.
Es gibt ganz viele Mamas auf der Erde,
zum Beispiel die von Julia und von Finn.
Auch ich hab eine Mama hier zu Hause,
mit einem süßen Grübchen am Kinn.
Wie gut, dass es die Mama gibt, ach wie sie mir gefällt.
Mama ist einmalig mit dem schönsten Kinn der ganzen Welt.
Es gibt ganz viele Papas auf der Erde,
in unserer Straße wohnen, glaub ich, acht.
Doch meiner hat die tollste Knubbelnase.
Drück ich drauf hupt Papa los. Dann wird gelacht.
Wie gut, dass es den Papa gibt, ach wie er mir gefällt.
Papa ist einmalig mit der lustigsten Nase auf der Welt.
Es gibt ganz viele Opas auf der Erde.
Der Pitt hat einen und die Hanna auch.
Doch mein Opa ist ganz besonders.
Nur er hat so `nen weichen Kugelbauch.
Wie gut, dass es den Opa gibt, sonst würd’ ich ihn vermissen.
Opa ist einmalig und sein Bauch mein Lieblingskuschelkissen.
Es gibt ganz viele Kinder auf der Erde,
ob dick, ob dünn, ob groß oder ganz klein.
Doch meine kleine Zunge ist besonders.
Zieh’ ich am Ohr, dann geht sie raus und rein.
Wie gut, dass es uns alle gibt und eins, das musst du wissen:
Einmalig bist auch du – ich will dich nicht vermissen.
© Bettina Göschl
September 2011, Herbert Somplatzki
Wer einen Freund hat
Freundschaft ist nicht rot, nicht blau,
Ist nicht gelb, nicht grün, nicht grau.
Freundschaft, das ist jedem klar,
Ist ganz einfach unsichtbar.
Wer einen Freund hat, der ist nicht allein.
Nicht in der Nacht und nicht im Sonnenschein.
Wer einen Freund hat, der ist doppelt stark,
Bei dir zuhause und im fremden Park!
Freundschaft ist nicht grün, nicht grau,
Ist nicht rot, nicht gelb, nicht blau.
Freundschaft, das ist jedem klar,
Ist ganz einfach wunderbar!
© Herbert Somplatzki
August 2011, Ingo Cesaro
AUSGLEICHSSPORT
( aus: "30 Jahre Amortisation")
auf der Sprintstrecke
schindet er
täglich
zweimal drei Stunden
Bruchteile von Sekunden
um dann abends
vor dem Fernseher
Stunden
zu vergeuden.
© Ingo Cesaro, Kronach
Juli 2011, Herbert Günther
( aus: Mein Leben als Fee)
Gute Träume wünsch ich dir
Trotz Regen und trotz Schnee.
Und wenn ich fort bin, denk ich mir:
Du bist meine Fee.
© Herbert Günther, Friedland
Juni 2011, Irma Krauß
lesezeichen
Um die Ecke schleichen
zwei kleine Lesezeichen
sie haben ungeheuer
viele Abenteuer
in Büchern studiert
noch keines probiert
jetzt wollen sie endlich
hinaus wie verständlich
© Irma Krauß, Buttenwiesen
Mai 2011, Wolfram Hänel
Trixi liebt Torsten
Trixi liebt Torsten.
Torsten hat Haare wie Borsten,
Ohren wie Henkel,
Hühnerschenkel,
Eckige Knie
Und keine Phantasie.
Torsten mag Specksalat
Und Spiegelei mit Spinat,
Torsten hört Cowboy-Musik
Und hält Jogginghosen für schick,
Torsten ist nicht besonders nett
(Und wird wahrscheinlich mal ziemlich fett),
Torsten liest nur Comics
Und kapiert – gar nix.
Der ganze Torsten
Mit seinen Borsten,
Ohrenhenkeln
Und Hühnerschenkeln
Ist ein einziges Problem.
Aber Trixi liebt ihn trotzdem.
Hat sich voll in ihn verknallt.
Nur Torsten...
Hat’s bis heute nicht geschnallt!
© Wolfram Hänel, Hannover
April 2011, Ursula Muhr
Die Fußballweltmeisterschaft der Tiere
Voll Würde spricht das Trainer-Schwein:
„Elf gute Freunde sollt ihr sein!"
Die Spieler nicken ganz ergriffen,
da wird das Spiel schon angepfiffen.
Der Stürmer-Löwe hat den Ball,
er läuft und dribbelt genial
und schießt dann auch – wohin? Wohin?
Nach außen links zum Pinguin.
Der schießt zum Pferd und mit Gewieher
macht dieses einen Fallrückzieher.
Eins Null! Die Tiere grunzen, blöken, brüllen –
doch was ist das, um Himmels Willen?
Abseits soll das gewesen sein?
„Schiebung!“, brüllt das Trainer-Schwein.
Der Angriff rollt. Das Schaf gibt ab
zum Esel, der setzt sich in Trab,
doch stolpert er über den Ball –
oh nein, man brachte ihn zu Fall!
Freistoß, nur Meter vor dem Tor,
das kommt dem Torwart brenzlig vor.
„Die Mauer nach links!“, ruft er beleidigt.
„Wir verlieren, wenn ihr so lahm verteidigt!“
Ein Bombenschuss! Ein Bombenschuss!
Natürlich vom Rhinozeros.
Doch leider geht er knapp vorbei,
es folgt schon Eckstoß Nummer drei.
Den tritt mit Wucht der braune Bär,
schräg in die Mitte zum Nashorn her.
Ein Kopfball! Ist das nicht ein Wunder?
Doch warum fällt der Ball nicht runter?
Die Tiere sehen es mit Schrecken:
Der Ball blieb auf dem Nashorn stecken.
Die Spieler stehn verwirrt und stumm
um den aufgespießten Ball herum.
Das Nashorn schämt sich. Es hat ganz vergessen,
dass es schon immer ein Horn hat besessen.
„Was soll’s“, spricht schließlich das Trainer-Schwein.
„Der Ball ist kaputt, also gehen wir rein.“
Und so wissen die Tiere bis heute nicht,
wer der Weltmeister wäre in diesem Gedicht.
© Ursula Muhr, München
aus: „Was macht das Mäuschen in der Nacht?“
Verlag Sauerländer 2007
März 2011, Werner Färber
Ungereimtheiten aus der Tierwelt
Der Jaguar
Ein Jagu- und ein Fegruar
eröffneten das neue Jahr.
Und erst im Monat März
bemerkte man den Scherz.
© Werner Färber, Hamburg
Die Schmeissfliege
Falls ich diese Fliege
irgendwann mal kriege,
soll sie jetzt schon wissen,
dass sie wird geschmissen,
hinaus aus meinem Zimmer
für ewig und auch immer! .
© Werner Färber, Hamburg
Februar 2011, Manfred Schlüter
Klein und Groß
Die Maus liest oft Geschichten
und wächst mit jedem Buch.
Der Riese liest mitnichten
und scheut auch den Versuch.
Nach Jahren ist, weil ich es will,
das Mäuschen riesengroß.
Der Riese lauscht mucksmäuschenstill
auf ihrem Riesenschoß.
© Manfred Schlüter, Hillgroven
Januar 2011, Georg Bydlinski
E-Mail-Liebe
Wie ein Besen ohne Borsten,
wie ein Kater ohne Fell,
wie ein Fahrrad ohne Klingel,
wie ein Hund ohne Gebell,
wie ein Regen ohne Tropfen,
wie ein Fußball ohne Luft,
wie ein Schwimmtier ohne Wasser,
wie der Flieder ohne Duft,
wie ein wegradierter Strich
sind die Stunden ohne dich.
Dein A.
Den radierten Strich
mal’ ruhig wieder hin,
weil ich ab morgen 16 Uhr
wieder bei dir bin!
☺ Deine B. ☼
© Georg Bydlinski, Mödling b. Wien
Dezember 2010, Eva Maria Kohl
Wo die Geschichten wohnen
Wo wohnen die Geschichten?
An einem alten Ort.
Du musst drei Meilen reisen
Und bist vor morgen dort.
Sei aber nicht in Eile
Und hör den Winden zu.
Geh über Wolkenfelder
Mach Rast am tiefen See.
Du wanderst mit den Sternen
Und Zauber schnürt den Schuh.
Am Ende taucht aus Träumen
Das Schloss der Märchen auf.
